Trainierst du noch oder bewegst du dich schon?

Trainieren. Wer muss das eigentlich? Und was bedeutet das eigentlich? Und wann hast du dich das letzte Mal richtig bewegt? Gibt es da einen Unterschied, zwischen trainieren und bewegen? Und warum steht hier auf der Webseite so oft “bewegen” und “Bewegung”? Wenn du wissen willst, was ich darunter verstehe, warum ich darauf so Wert lege und was du damit anfangen kannst, nimm dir ein paar Minuten Zeit und lies einfach noch ein wenig weiter.

Der menschliche Körper – effizienter geht es kaum

Dein Körper, Wahnsinn. Höher entwickelt geht es in der Natur kaum. Der menschliche Körper passt sich extrem gut auf alle äußeren Reize an, das fasziniert mich jedes Mal wieder aufs Neue. Nur leider sind wir mit unserem Lebensmittelkonsum und unserem Bewegungsmangel der Evolution ein paar Jahrhunderte voraus. Oder zum Glück, denn ich will nicht miterleben wie sich der Mensch auf Dauer daran anpasst.

Fakt ist, der menschliche Körper lagert alles an überschüssiger Energie in Fettspeicher ein. Und in der westlichen Welt gibt es die massig. Die überschüssige Energie und die Fettspeicher.

Gleichzeitig reagiert aber der Körper auch sehr gut auf so genannte Trainingsreize. Das bedeutet, immer wenn du mit deinem Körper eine Bewegung ausführst, die er in dieser Art oder dieser Intensität noch nie oder lange nicht mehr erfahren hat, dann denkt sich der Körper: “Hoppla, machen wir das jetzt öfter?” Wenn das der Fall ist, dann passt sich der Körper nach einer gewissen Zeit so an, dass er die Bewegung beim nächsten Mal besser bzw. leichter ausführen kann. Das bedeutet: Muskelwachstum, Knochen und Knorpel der Gelenke verstärken sich, Sehnen werden stabiler usw. Es dauert eine Weile, bis sich der Organismus anpasst; je nach Gewebeart dauert das unterschiedlich lange. Änderungen am Muskel passieren dabei am schnellsten, die Knochen verändern sich am langsamsten.

Das Streben nach dem idealen Gleichgewicht

Der Körper unterliegt ständigen Änderungen. Dabei reguliert er sich immer wieder selbst und passt sich an. Bleiben die angesprochenen Trainingsreize aus, entwickelt er sich nicht mehr weiter und bleibt für eine Zeit auf dem erreichten Stand. Werden dann nicht neue Reize gesetzt, entwickelt er sich wieder zurück. Zuerst verlieren die Muskeln wieder an Größe, da sie am meisten “Leerlauf”-Energie verbrauchen. Sie sind wie kleine Hochöfen, in denen ständig eine Flamme brennen muss. Und dafür fordern sie aus dem Stoffwechsel Energie an. Die Knochen verlieren auf lange Sicht wieder an Stabilität, Sehnen und Bänder trocknen aus (ja, wirklich) und der Bewegungsradius der Gelenke reduziert sich. Schließlich möchte der Körper in einem möglichst effizienten Gleichgewicht sein und keine unnötigen Energiefresser in seinem Haushalt haben.

Die Rolle der Bewegung

Bewegung ist Leben. Bewegung ist eine Notwendigkeit. Keine Bewegung bedeutet Stillstand, und der ist nicht sonderlich lebendig.

Egal ob du dich viel oder wenig bewegst, dein Körper wird sich darauf anpassen. Jetzt ist der Mensch als landbasiertes Säugetier grundsätzlich eher auf Bewegung ausgelegt. Wenn du dich wenig bewegst, passt sich dein gesamter Organismus darauf an. Vom Herz-Kreislauf-System bis zum Sprunggelenk.

Das bedeutet auf jeden Fall, du musst dich bewegen. Idealerweise lässt du dabei auch keine Optionen aus. Jedes Gelenk deines Körpers hat einen natürlichen Bewegungsradius. Bei Kleinkindern sieht man ganz gut, wie so ein natürlicher Bewegungsradius aussieht. Leider stecken wir Kindern dann irgendwann hinter Schulbänke, wo sie mehrere Stunden am Tag still sitzen müssen. Zu dieser Zeit beginnt der Körper in der Regel das erste Mal sich zurück zu entwickeln. Bei den meisten Menschen wird es dann im Laufe des Lebens auch nicht mehr besser.

Was tun wir gegen den Bewegungsmangel?

“Ich muss mal wieder Sport machen.” Wer hat das noch nicht gehört oder vielleicht sogar selbst schon gesagt. Aber nein, Sport machen musst du nicht. Du musst dich bewegen, ja. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass du einen “Sport” anfangen musst. Das Problem ist, wir Menschen haben dieses hoch entwickelte Werkzeug der Evolution als Vehikel, können aber selbst oft gar nicht damit umgehen. Kinder können das noch, solange wir sie nicht daran hindern. Sie erforschen, probieren aus, imitieren, fallen hin, probieren weiter aus. Sie nutzen den Apparat, den sie zur Geburt geschenkt bekommen haben und reizen ihn voll aus. Wie oft hast du schon Kinder irgendwo vermeintlich grundlos rennen sehen? Und wie oft Erwachsene? Ich bin mal in der Früh zum Bäcker gerannt. Also nicht nach dem Joggen zum Bäcker, sondern einfach von der Haustür zum Bäcker gerannt. Unglaublich, wie überrascht und verwirrt Menschen schon so früh am Tag schauen können.

Als Erwachsene fehlt uns meistens die Kreativität, uns zu bewegen. So wie du es gerade möchtest und wie es dein Körper in seinem Zustand gerade hinbekommt. Weil wir auch unsere innere Stimme gar nicht mehr hören, die uns eigentlich auch bei der gesunden Ernährung helfen soll – aber über die schreibe ich nochmal einen extra Beitrag. Wir brauchen also einen Verein, einen Vorturner, einen Coach, quasi ein Navigationssystem bzw. einen Kapitän für unser Vehikel Körper. Diese Starthilfe ist definitiv nicht schlecht, anders kommen wir sonst gar nicht mehr ins “fahren”. Schön wäre es, nach einer gewissen Zeit selbst das Steuer zu übernehmen. Wieder anfangen, Dinge mit dem Körper anzustellen für die er ausgelegt ist. Nicht dann, wenn es dir jemand aufträgt oder du es machen “musst”, sondern wenn dir danach ist. Je mehr du dich bewegst, desto mehr wirst du dieses Verlangen spüren, ganz natürlich. Und du wirst immer mehr ausprobieren wollen, ganz von allein. Du wirst an Grenzen stoßen, und dann kommen wir zu dem Thema Training.

Bewegung ist allgemein, Training ist spezifisch

Wer muss trainieren? Diese Frage habe ich oben in den Raum gestellt. Trainieren muss keiner. Es sollte aber jeder tun, der sich in irgendeiner Sache verbessern möchte. Alle Sportler “trainieren” für eine ganz bestimmte Sache, oder für mehrere gleichzeitig. Kein Problem, der Körper passt sich darauf an, wenn die Trainingsreize in der richtigen Häufigkeit, Intensität, Dauer etc. gesetzt werden.

Für mich, der sich ja eigentlich “bewegen” will und ich meinen Körper in verschiedenen Bereichen ausreizen und weiterentwickeln möchte, bedeutet das: Ich bewege mich und stoße an eine Grenze. Oder ich sehe eine Bewegung bei anderen Menschen, die ich unbedingt ausprobieren und können möchte. Dann muss ich dafür trainieren. Vielleicht brauche ich mehr Beweglichkeit, mehr Kraft, mehr Ausdauer oder mehr Stabilität. Alles Dinge, die man wunderbar trainieren kann. Und das tolle ist, jeder Körper ist anders, also sieht auch bei jedem der Trainingsreiz anders aus.

Bewegung ist allgemein, sie passt in keine Schublade und in kein Schema. Wenn du gesund bleiben willst, musst du dich bewegen. So wie es für dich möglich ist. Oft und viel. Wenn du Ideen brauchst, geh auf den Spielplatz und schau den Kindern zu. Such dir einen Einstieg, in der Bewegung möglichst allgemein gehalten wird, lass dich eine Weile steuern und nimm dann vielleicht das Steuer selbst in die Hand.

Und dann begegnen wir uns vielleicht irgendwann im Park und bewegen uns zusammen. Mich findest du sofort, ich nutze meist mehr als meine Beine zur Fortbewegung.