I can jump that far – Wie mehr Bewegung dein Selbstbewusstsein steigert

 

Selbstbewusstsein, was ist das überhaupt?

Den Begriff Selbstbewusstsein verbinden viele sofort mit Mut, sicherem Auftreten, aufrechter Haltung und vielleicht auch kräftiger Stimme. Wenn jemand selbstbewusst ist, dann hat er all diese Eigenschaften.

Wirklich? Für mich hat Selbstbewusstsein eine etwas andere Bedeutung. Selbst-Bewusstsein, das heißt für mich, dass sich jemand vollkommen “seiner Selbst” bewusst ist. Du weißt wer du bist, was alles zu dir gehört. Du kennst deine Emotionen, Reaktionen, dein Wesen und weißt wie du damit umzugehen hast. Damit kannst du vor allem eins: Du lernst deine Emotionen zu interpretieren, manchmal vielleicht sogar zu kontrollieren. Selbst-bewusst ist für mich jemand, der ein gutes Gefühl für seinen eigenen Körper hat, ihn im Griff hat.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass jemand mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein nicht zwangsläufig der große Redenschwinger sein muss. Denn vielleicht passt es ja gar nicht zu deiner Art, vor vielen Menschen eine große Show zu bieten. Wenn du dir dessen bewusst bist, ist das eine sehr wichtige Erkenntnis für dich.

 

Und was hat das jetzt mit mehr Bewegung zu tun?

Eine berechtigte Frage, die ich mir garantiert an dieser Stelle auch stellen würde. “Mehr Bewegung” ist an dieser Stelle natürlich ein allumfassender Begriff, den jeder Mensch für sich selbst definieren muss. Eine Menge Bewegungsarten können aus meiner Sicht dabei helfen, das Selbstbewusstsein zu steigern. Wer jetzt an den Discopumper aus der Muckibude seines Vertrauens denkt, ist auf der falschen Fährte. Ganz oben auf der Liste stehen für mich Disziplinen wie Parkour, Méthode Naturelle, Klettern/Bouldern, Yoga und zu gewissen Teilen auch Kampfsport. Sie alle haben eins gemeinsam: Nach und nach steigert sich das Gefühl für deinen Körper. Denn je mehr du balancierst, springst, kletterst, kriechst – desto bewusster werden dir deine Grenzen.

 

Die eigenen Grenzen erfahren

Einerseits bedeutet das, du weißt wo dein Körper aufhört und wo deine Umgebung beginnt. Und du weißt, wie sich dein Körper in Relation zur Umgebung bewegt. Klingt total banal, aber jeder der schon mal mit dem Schienbein oder dem Fuß irgendwo hängen geblieben ist, weiß ganz genau wovon ich spreche. Denn dann hast du eben nicht daran gedacht, dein Bein beim Überwinden eines Hindernisses weit genug zu heben. Oder am Beispiel Klettern: Natürlich ist deine Armkraft besonders wichtig, aber erst wenn du verstanden hast, wie sehr sich die Nähe deines Schwerpunkts zur Wand auf deinen Erfolg auswirkt, machst du wirklich Fortschritte. Also wieder dein Körper in Relation zur Umwelt, mit allem was dazugehört.

Andererseits – und das ist eigentlich naheliegender – bedeutet Grenzerfahrung auch, dass du beim Training an deine Grenzen stößt (und das musst du auch). Du kannst nur begrenzt weit springen, kannst nicht unendlich oft an einer Mauer hochklettern und kannst dein Körpergewicht nur eine bestimmte Zeit auf deinen Händen balancieren. Das zu erfahren ist ungemein wichtig für die Entwicklung deines Selbstbewusstseins. Und irgendwann weißt du diese Dinge ganz genau. Du kennst die eigenen Fähigkeiten und Grenzen, ganz im Stile von “I can jump that far”.

 

Die Übersetzung in den Alltag

Hier kann ich nur über meine persönliche Erfahrung sprechen, diese Erkenntnis kommt also nicht aus der Wissenschaft oder einem schlauen Buch. Ich erlebe es selbst regelmäßig, dass mich das Wissen über meine eigenen Fähigkeiten und Grenzen, dieses Selbstbewusstsein, unglaublich sicher und selbstbewusst macht im Umgang mit anderen Menschen. Es macht mich weniger angreifbar. Denn wenn mir jemand eine meiner offensichtlichen “Schwächen” aufzeigt (die ja jeder von uns besitzt), kann ich darüber ganz einfach hinwegsehen: Er erzählt mir ja nichts neues, ich bin mir dessen bereits bewusst. Und wenn ich bisher daran nicht gearbeitet habe – dann ist es auch mein Fehler.

Zusätzlich dazu habe ich die volle Kontrolle über meinen Körper, wie ich immer wieder in unterschiedlichsten Trainings erfahre. Wenn ich Fortschritte mache, ist das mein eigener Verdienst. Wenn ich stürze, meine eigene Schuld. Werde ich also im Alltag von jemandem verbal auf persönlicher Ebene angegriffen, interessiert mich das herzlich wenig. Denn die Kontrolle über meinen Körper, über mein “Innerstes”, behalte ich trotzdem. Die physischen Grenzen, die ich immer wieder erfahre, gelten in der anderen Richtung ebenso. Dort muss ich niemanden durchlassen, wenn ich das nicht möchte. Ich kann also selbst bestimmen, ob ich gewisse Dinge an mich heranlasse, oder eben nicht. Ich bin ja der “Herr im Haus”.

 

Selbstbewusstsein und Überheblichkeit

Mit der Zeit macht sich mehr Bewegung natürlich bemerkbar. Du verschiebst deine Grenzen, und auch optisch wird sich dein Körper der vielen Bewegung anpassen. Und da kommen wir auch gedanklich wieder bei dem Discopumper vorbei, der auch eine Art von Selbstbewusstsein beweist, wenn er sich vor dem Spiegel betrachtet. Das oberste Ziel von Bewegung ist nicht die Änderung deines Spiegelbilds, sondern die Entwicklung deiner Fähigkeiten. Und wenn du deine Fähigkeiten steigerst, solltest du vor allem nicht überheblich werden. Ein guter Freund hat mich mal gefragt, ob mich meine Fähigkeiten nicht überheblich machen. Das konnte ich ihm klar verneinen. Denn auch wenn ich mich bestimmt schon stark entwickelt habe, kenne ich trotzdem noch meine Grenzen, und die wird es auch mit mehr Training und mehr Bewegung immer noch geben.

Also: Geh raus, beweg dich, werd dir deiner eigenen Grenzen bewusst und schau zu was es mit dir anstellt!