Was macht die Faszination am Handstand aus?

Der Handstand: Die Verkörperung des Ausrufezeichens hinter “Körperbeherrschung!”. Damit meine ich nicht die “Banane”, die man so oft bei dem Versuch eines Handstands sehen kann. Heute geht es mir darum, was für mich die Faszination am Handstand ausmacht, was ihn so schwer macht, wie du ihn lernen kannst und warum er nie aufhört herausfordernd zu sein.

Die Faszination am Handstand

Ein HandstandSchon seit ich einen einigermaßen sauberen Kopfstand kann, fasziniert mich der Gedanke, die Welt auf den Kopf zustellen. Der Kopfstand und der Handstand verleihen dir ein Gefühl der Kontrolle über deinen Körper, wie ich auch hier darüber geschrieben habe. Gerade weil unser Körper nicht dafür gemacht ist, auf den Händen zu stehen, ist der Handstand so reizvoll. Wenn man ihn richtig trainiert und sich viel damit beschäftigt, kann ihn aber trotzdem eigentlich jeder lernen. Für viele ist er ein “netter Partytrick”, für mich steckt viel mehr dahinter. Die Kraft, die Balance und die Konzentration die dafür notwendig sind, machen alles andere in dem Moment vergessen. Meine Freundin macht sich schon über mich lustig, weil ich seit mehreren Monaten damit kämpfe und sehr lange überhaupt keine Fortschritte gemacht habe. Erst seit ich ein paar Tipps anwende, habe ich das Gefühl endlich Fortschritte zu machen, aber dazu später mehr.

Warum ist ein Handstand so schwer?

Irgendwann in deiner Vergangenheit hast du laufen gelernt. Den ganzen Tag lang macht man als kleines Kind nichts anderes, als Bewegung zu erforschen und sich auszuprobieren, bis man irgendwann laufen kann. Dadurch wird es noch viel spannender, denn durch das Laufen ergeben sich noch viel mehr Möglichkeiten sich fortzubewegen. Überlege einmal, wie viel Zeit ein Kleinkind damit verbringt, das Laufen zu lernen. Eine Fähigkeit, für die der menschliche Körper gemacht ist. Und jetzt möchtest du (du bist eventuell erwachsen oder zumindest in einem fortgeschrittenen jugendlichen Alter) eine Fähigkeit erlernen, für die dein Körper eigentlich gar nicht gedacht ist. Das erfordert viel Geduld, und du musst dich wirklich regelmäßig damit beschäftigen.

Rein anatomisch betrachtet hat ein Handstand einige Herausforderungen in sich: Die Beweglichkeit deiner Schultern und deiner Handgelenke ist im Normalfall nicht ausreichend für einen Handstand. Deine Schultern und deine Arme können zwar vielleicht dein Körpergewicht für einen kurzen Zeitpunkt stützen, sind aber zu schwach den Körper zu kontrollieren. Dafür ist auch die Hebelwirkung in den Schultern sehr ungünstig. Wenn du aufrecht auf deinen Füßen stehst, kümmert sich die Muskulatur rund um die Hüfte sehr viel um Stabilität. Im Vergleich zu deinen Schultern ist die Hüftmuskulatur natürlich viel kräftiger ausgelegt. Dein Gleichgewichtssinn, der die Signale deiner Augen und deines Gleichgewichtsorgans verarbeitet, wird vor eine große Herausforderung gestellt, da er auch in einer für ihn ungewohnten Position arbeiten muss.

Wie kannst du einen Handstand lernen?

Verständnis. Geduld. Regelmäßige Arbeit. So würde ich das eigentlich beschreiben. Zuerst musst du ein paar grundlegende Dinge verstehen: Wie ist die “Statik” dahinter, wo sind die Schwachpunkte, und woran musst du arbeiten. Du wirst nicht alles auf einmal verstehen, das macht aber nichts, denn dein Körper wird auch nicht alles auf einmal ausführen können. Vor allem brauchen viele Prozesse, wie z.B. die Verbesserung deiner Flexibilität einfach sehr viel Zeit. Deswegen kann die Geduld nicht schaden. Zu viel Geduld ist aber auch nicht gut, denn wie oben erwähnt, gab es bei mir im Lernprozess seeeeehr lange ein Plateau. Und ich habe nicht gesehen, dass ich lange ein paar Fehler gemacht hatte. Was hatte ich falsch gemacht?

Ich habe sehr oft auf einer Wiese geübt, sogar fast ausschließlich. Das Problem dabei ist, dass der Untergrund sehr weich ist. Allerdings hältst du die Balance mit Hilfe deiner Finger – dabei ist ein harter Untergrund sehr hilfreich. Und der wohl größte Fehler: Ich habe nicht “trainiert”, ich habe “probiert”. Wenn du einen Handstand können willst, brauchst du eine Wand. Hab keine Angst die Wand richtig einzusauen (du kannst natürlich auch deine Schuhe ausziehen), aber du wirst die Wand mit deinen Füßen sehr viel und oft berühren. Ich habe es ohne Wand “probiert” – das ist im Prinzip wie beim Surfen. Wenn es keine Wellen gibt, kannst du es auch nicht lernen, da kannst du noch so viel und gut paddeln können.

Ein guter Trainingsplan

Zuletzt brauchst du einen Plan. Im Internet habe ich den Blog Kraftimpuls gefunden. Marco, der Autor, hat sehr viel Erfahrung in Judo, Ringen und Leichtathletik und hat einen aus meiner Sicht wirklich erstklassigen Plan geschrieben, wie du ganz einfach den Handstand lernen kannst. Wenn du dich dort für den Newsletter anmeldest, bekommst du sogar noch mehr Informationen gratis an die Hand. Hier findest du seine Anleitung zum Erlernen des Handstands:

Handstand Lernen – 4 Progressionslevel zum Freien Handstand

Der ewige Lernprozess

Wenn es dann soweit ist, dass du einen wirklich sauberen, geraden Handstand für mehr als 20 Sekunden halten kannst, hört es dann auf dich herauszufordern? Ganz und gar nicht. Ich persönlich bin im Moment noch nicht so weit. Wenn ich den Balancepunkt gut erwische, kann ich ohne Wand vielleicht 10-15 Sekunden sauber stehen. Allerdings ist es bei mir im Moment immer dem Zufall überlassen, ob ich diesen Punkt erreiche. Aber ich freue mich schon darauf, neue Herausforderungen anzunehmen und schwierigere Versionen des Handstands zu lernen. Ich bin in letzter Zeit sehr aktiv bei Instagram. Dort kannst du meinen Handstand-Fortschritt sehr gut verfolgen, wenn du das möchtest.
Dort bin ich auch auf Andrii Bondarenko gestoßen. Er ist Zirkusartist im Cirque du Soleil und hat dort eine wirklich beeindruckende Handstand-Nummer. Wenn ich mir dann ansehe, was er im Handstand alles anstellen kann, bin ich mir ganz sicher dass es niemals langweilig werden wird. Aber jetzt erst mal sauber frei stehen…