Dein Beitrag zu mehr Innovation in unserer Gesellschaft

Ohne Innovation wären wir vermutlich immer noch Jäger und Sammler. Wir wären zwar inzwischen ziemlich gut darin, wären aber weit davon entfernt in Zivilisationen zu leben. Heutzutage nutzen wir (zumindest in der westlichen Welt) eine Vielzahl an Innovationen und Erfindungen aus der Vergangenheit ganz selbstverständlich. Wenn die Zahl der Weltbevölkerung weiterhin so ansteigt, stehen wir schon in sehr naher Zukunft vor großen Herausforderungen in der Lebensmittelindustrie, im Transportwesen und auch in unseren Bildungssystemen. Dann liegt es an jedem von uns, innovativ zu sein. Das heißt, neue Ideen hervorzubringen und besonders Themenbereiche zu verbinden, die vorher scheinbar unverbunden waren. Können wir es schaffen, mehr Innovationen in unserer Gesellschaft hervorzubringen? Kannst du als Einzelperson lernen innovativ zu sein?

Mit dem Lernen fängt alles an

Dank unserer Evolution können wir Menschen lernen, bessere Entscheidungen zu treffen. Darüber habe ich in meinem Artikel Lehren als Leidenschaft geschrieben. Das heißt, wir können zusätzlich zu unseren Instinkten auf Erinnerungen zurückgreifen, um bessere Entscheidungen zu treffen. Unser Gehirn vollbringt tagtäglich sensationelle Leistungen, indem es Informationen und Sinneseindrücke als Erinnerungen abspeichert, auf die wir fortan zugreifen können. Allerdings gelangen glücklicherweise nicht alle Sinneseindrücke in unser Langzeitgedächtnis. Die Entscheidung darüber, ob eine Information für uns relevant oder unbedeutend ist, übernimmt in unserem Gehirn hauptsächlich der Hippocampus. Deswegen stelle ich mir ihn gerne als Türsteher vor, der andauernd abwägt, ob er Sinneseindrücke aus dem Kurzzeitgedächtnis an sich vorbei ins Langzeitgedächtnis lässt. Diese Entscheidung hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel Emotionen oder Relevanz einer Information.

Der Hippocampus, der Türsteher deines Vertrauens

Wenn wir von einer Sache begeistert sind, ist der Türsteher deines Gedächtnisses gut gelaunt und lässt fast jeden Sinneseindruck ins Langzeitgedächtnis. Zusätzlich dazu werden Erinnerungen durch Begeisterung noch besser abgespeichert. Begeisterung ist deswegen wie legales Doping fürs Lernen. Der deutsche Neurobiologe und Autor Gerald Hüther spricht bei Begeisterung beim Lernen immer von dem “Dünger” fürs Gehirn, der den Lernprozess begünstigt. Negative Emotionen wie beispielsweise Angst oder Stress hemmen dagegen unseren Lernprozess.
Weiterhin wägt der Hippocampus ab, wie gut eine Information bzw. ein Sinneseindruck in bestehende Strukturen in deinem Gehirn passt. Der Türsteher beurteilt, wie gut der neue Gast zu der bestehenden Gesellschaft passt. Wenn das der Fall ist, lässt er ihn gerne durch und der neue Gast gesellt sich zu den anderen, die Party geht weiter. Für die Abspeicherung von Informationen bedeutet das, wenn eine Information vorherige Eindrücke komplettiert, lernst du sie sehr leicht.

Komplizierter wird es jedoch, wenn der neue Gast ganz und gar nicht zur Gesellschaft passt. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Sinneseindruck oder eine Aussage deiner aktuellen Meinung widerspricht. Dann muss sich der Türsteher nämlich überlegen, ob vielleicht die falschen Leute auf der Party sind. Das Problem liegt auf der Hand. Der Türsteher kann den Neuankömmling direkt wieder wegschicken, das wäre die einfachste Lösung. Aber was wäre, wenn der Neuankömmling eigentlich der bessere Gast für die Party wäre? Dann muss er die Feier unterbrechen, alle Leute rauswerfen und es dauert ewig, bis neue Leute kommen, die zu dem neuen, andersartigen Gast passen. Bis dann die Party wieder läuft, ist vielleicht sogar die Nacht vorbei. Gleichermaßen geht es dem Hippocampus. Es kostet uns Unmengen an Energie, Informationen abzuspeichern, die unserem bisherigen Weltbild widersprechen. Denn dafür muss in unserem Langzeitgedächtnis erst einmal gründlich umsortiert und ausgemistet werden.

Stark vereinfacht kannst du dir die Abspeicherung von Erinnerungen und Informationen in deinem Gehirn so vorstellen. Dieser Mechanismus ist die Grundlage des Lernens. Ohne die Fähigkeit zu lernen, können wir nicht lernen innovativ zu sein. Doch nur neue Dinge zu lernen reicht bei weitem nicht aus, es kommt auch stark darauf an wie wir lernen.

Hör endlich auf (nur) Konsument zu sein!

Schon in der Grundschule werden wir systematisch zu Konsumenten erzogen. Wir sehen die Aufgabe der Grundschule und der weiterführenden Schulen darin, uns mit Informationen zu versorgen. Diese konsumieren wir, lernen wir widerwillig auswendig und geben sie wieder, wenn wir (meist in Prüfungen) danach gefragt werden. So nehmen wir bereits im Kindesalter ganz natürlich hin, dass wir Informationen nur konsumieren und gegebenenfalls wiedergeben müssen um erfolgreich zu sein. Diese Einstellung wirkt sich auch auf unser restliches Leben aus. Und irgendwann stellen wir diese passive Rolle des reinen Konsumenten von Informationen und Sinneseindrücken nicht einmal mehr in Frage, sondern lassen uns früh bis spät nur noch berieseln. Wir wälzen die Verantwortung unseres Erfolgs auf andere ab, denn wir sind ja schließlich nur Konsumenten – Und was kann ich denn als solcher schon bewirken? “Lernen” bekommt so einen sehr faden Beigeschmack, denn wo ist die Begeisterung bei all dem Auswendiglernen?

Das Problem an diesem reinen Konsumieren ist, dass wir Wissen oft zusammenhanglos, ohne Kontext und ohne echte Anwendungsbeispiele aufnehmen, ohne dass wir es selbst zur Anwendung bringen können. Als Beispiel: Ich könnte dir problemlos innerhalb von ein paar Stunden erklären, was du alles beachten und tun musst, damit du einen perfekten Handstand stehen kannst. Und glaub mir, das sind eine Menge Informationen. Wenn du ein gutes Gedächtnis hast, könntest du dir das vielleicht alles merken. Trotzdem bist du noch gleich weit vom perfekten Handstand weg wie vor unserem Gespräch. Wenn du allerdings im Laufe mehrerer Monate all diese Informationen und Tipps selbst anwendest, machst du deine eigenen Erfahrungen und fängst somit an, die Rolle des reinen Konsumenten hinter dir zu lassen.

Vom Nachmacher zum Gestalter

Um die Rolle des reinen Konsumenten hinter dir zu lassen, musst du zuerst selbst aktiv werden. Im ersten Schritt bedeutet das meist, dass du Dinge nachmachst. Zum Beispiel löst du im Matheunterricht zum ersten Mal selbst eine Aufgabe, deren Lösungsweg vorher besprochen wurde. Du wendest erlerntes Wissen an, einen Vorgang nachzumachen. Aber allein dieser vermeintlich kleine Schritt ist bereits so entscheidend, denn du machst damit schon eigene Erfahrungen. Viel plastischer wird es, wenn du diese Erfahrungen mit Bewegung machst. Du möchtest zum Beispiel eine hüfthohe Stange überwinden. Vorher hat dir ein Trainer oder ein Kumpel eine Bewegung gezeigt, wie man die Stange überwinden kann. Dann machst du die Bewegung nach. Die Bewegung wird bei dir ganz anders aussehen, da dein Körper anders beschaffen ist und du sie noch nie vorher gemacht hast. Doch viel wichtiger ist, dass du sie zum ersten Mal selbst spürst. In diesem Moment und wenn du es wieder und wieder selbst versuchst, beginnt dein Gehirn wirklich aktiv zu arbeiten.

Richtig interessant wird es, wenn du aufhörst nachzumachen und anfängst selbst zu gestalten. Dann findest du selbst neue Wege, unabhängig von bestehenden Lösungen und Gewohnheiten. Du wirst kreativ und fängst an, selbst zu kombinieren, zu schaffen. Dieser Schritt braucht viel Mut, viel Bereitschaft sich auf neue Dinge einzulassen und die bekannten Wege zu verlassen. Auch das kann man wieder sehr gut mit Bewegung erleben und erfahren. Doch da gibt es dann nicht mehr so viele Anweisungen, keinen Vorturner. Dann gibt es lediglich noch Aufgaben, die du mit deinem Körper lösen musst. Und irgendwann suchst du dir diese Aufgaben, diese Herausforderungen, selbst. Deine Neugierde wurde geweckt – du hast erfahren, wie es sich anfühlt selbst zu gestalten.

Der Sprung zu echter Innovation

If I had asked people what they wanted, they would have said faster horses.

Dieses Zitat von Henry Ford sagt sehr viel über Innovation aus. Innovation entsteht nicht, wenn eine Idee bis ins letzte Detail ausgefeilt und deren Potenzial gänzlich ausgereizt wird. Ansonsten wären wir wie eingangs geschrieben immer noch Jäger und Sammler die in Kleingruppen zusammenlebten. Es reicht nicht (und ist manchmal auch nicht mal förderlich) für Innovation, Experte in einem Gebiet zu sein. Ford sagt weiterhin auch, er arbeite lieber mit Ingenieuren zusammen, die “noch nicht gelernt haben, wie es nicht geht”. Experte in einem Gebiet kann man auch werden, in dem man alles aufsaugt, was es über ein bestimmtes Thema zu lernen gibt. Aber Innovation kann nur entstehen, wenn wir zwei oder mehr vermeintlich unverwandte Bereiche miteinander verbinden und etwas gänzlich neues schaffen. Das können wir erst dann tun, wenn wir mutige, kreative Gestalter geworden sind. Trotzdem ist der Sprung zu Innovation nicht leicht und er ist vor allem nicht deterministisch.

Wie kann er dennoch geschafft werden? Bei mir hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich erkannt habe wie gut ich Bewegung als Hilfsmittel für Erziehung bzw. für Bildung nutzen kann. Außerdem war es nicht ein einziger Moment oder Zeitpunkt, an dem mir diese Idee kam. Vielmehr habe ich wieder und wieder mit Menschen in meinem Umfeld und auch teils mir vorher Unbekannten über die Ideen gesprochen und sie von deren Wirksamkeit überzeugt. Erst dadurch reifte die Idee zu einem wirklich anwendbaren Konzept heran.

Wie findest du deinen Einstieg?

Erlebe lernen wieder als die positive Erfahrung, die es eigentlich ist. Lernen ist kein Zwang, sondern ein Privileg, das uns unser gesamtes Leben zugänglich ist. Wie schon gesagt, du kannst das mittels Bewegung sehr gut erfahren, genauso gut kannst du einen Zugang dazu über Musik, Theater, Tanz, etc. finden. Nur hast du bei Bewegung gleichzeitig den Vorteil, dass du deinem Körper damit etwas gutes tust. Ich zeige dir gern wie das geht in einem meiner Workshops. Ich komme dafür gerne bei dir in der Schule, der Arbeit oder deiner Uni vorbei.

Wenn du deine Einstellung zum Thema Lernen angepasst hast, solltest du dir als nächstes dein Konsumverhalten anschauen. Gewöhne dir Schritt für Schritt an,  weniger bzw. bewusster zu konsumieren und öfter zu gestalten. Auch das geht wieder sehr greifbar mittels Bewegung, geht aber auch auf anderem Weg. Wenn du das bei mir erfahren möchtest, wird es auf jeden Fall mit Bewegung sein.

Wenn du es schaffst, ein neugieriger, wissbegieriger und mutiger Gestalter zu werden, hast du die besten Voraussetzungen um deinen Teil zu mehr Innovation in unserer Gesellschaft beizutragen. Dann werde ich mich zufrieden zurücklehnen und dich gespannt dabei beobachten, was dir alles einfällt.